14. Mai 2026

Eine Stunde Mikrofon. Mein zweites Mal als Podcast-Gast.

Es gibt Einladungen, über die freut man sich. Und es gibt Einladungen, bei denen man kurz innehält, weil sie etwas verändern. Bei mir war das vor ein paar Wochen, als die Nachricht von Jürgen Schöntauf kam: ob ich Lust hätte, eine Folge seines Podcasts »Gewinn mit Sinn« mit ihm aufzunehmen.

Mein erster Reflex: ehrliche Freude. Mein zweiter: ein leises „Wirklich, ich?“.

Denn so vertraut mir das Thema ist – seit vielen Jahren lebe ich die Energiewende im eigenen Altbau und schreibe hier auf tinyfootprint.de darüber –, ist es doch etwas grundsätzlich anderes, ob man bloggt oder ob sich jemand eine ganze Stunde Zeit nimmt, um zuzuhören und nachzufragen. »Gewinn mit Sinn« ist ein Format, wo bereits etliche Personen mit einem deutlich größeren Bekanntheitsgrad als ich zu Gast waren … Eine Einladung dorthin ist für mich kein Selbstläufer gewesen, sondern eine kleine Auszeichnung über die ich mich gefreut habe.

Es war mein zweites Mal als Gast in einem Podcast. Vor sechs Jahren war ich bei „Energiegedöns“ von den Stadtwerken Lemgo, Thema: Elektromobilität. Das war auch sehr schön, allerdings ein deutlich kleineres und regionaleres Format.

Das Mini-Podcaststudio im Büro

Weil ich solche Gelegenheiten gern auch handwerklich ernst nehme, habe ich mir vor der Aufnahme ein kleines Podcast-Setup im Büro aufgebaut. Mikrofon, Audio-Interface, Kopfhörer, ein bisschen Akustik-Trickserei mit schallschluckenden Platten. Nichts Großes, aber genug, dass es nicht nach Küchentisch klingt.

Schon die Vorbereitung hatte etwas Schönes: Ich habe mir überlegt, was mir wichtig ist. Welche Zahlen ich erzählen will. Welche Erfahrungen relevant sind. Welche Sätze ich oft höre und gern einordnen würde. Aber ich habe mir bewusst kein Skript geschrieben. Ein Podcast ist ein Gespräch – und Gespräche leben davon, dass sie sich entwickeln dürfen.

Provisorisches Podcast-Studio an meinem Schreibtisch.

Aufnehmen ist anders als schreiben

Wenn ich für den Blog schreibe, kann ich Sätze umstellen, Zahlen prüfen, ganze Absätze streichen. Im Podcast nicht. Was gesagt ist, ist gesagt. Das macht etwas mit dem Sprechen – man wählt achtsamer, aber gleichzeitig auch direkter. Keine Schleifen, keine Fußnoten, keine Klammerbemerkungen.

Was mich überrascht hat: wie schnell eine Stunde vergeht, wenn man wirklich im Gespräch ist. Wir haben über die ersten Schritte gesprochen, über die Irrwege und Lösungen.

Worum es im Kern ging

Inhaltlich drehte sich vieles um einen Satz, der mich seit 14 Jahren begleitet: „Das geht doch gar nicht.“ Wärmepumpe im Altbau? PV auf dem Ost-West-Dach gegen den Rat aller Berater? Elektroauto im Familienalltag? Ich habe diese Zweifel oft gehört. Und doch kostet uns heute die gesamte Energie für eine vierköpfige Familie im über 100 Jahre alten Altbau – Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom und 12.000 Kilometer Autofahren – rund 116 Euro im Monat.

Eine Geschichte aus dem Gespräch ist mir besonders im Kopf geblieben, weil sie so schön zeigt, wie Überzeugung entsteht: Meine Frau ist viele Jahre fast unbeachtet mit ihrem kleinen Elektroauto zur Arbeit gefahren. Bis die Energiepreise nach Beginn des Ukraine-Kriegs stiegen. Plötzlich wurde sie an einem einzigen Tag von rund zwanzig Kolleginnen und Kollegen angesprochen: Wie ist das mit dem E-Auto, was kostet das eigentlich pro Kilometer? Über Jahre kaum ein Thema – und dann, von einem Moment auf den anderen, große Neugier. Schade, dass es bei vielen erst über das Geld geht. Aber wenn das der Hebel ist, der Menschen ins Nachdenken bringt, dann soll es mir recht sein.

Sich selbst zuhören

Als ich die fertige Folge in der Podcast-App gestartet habe, war da dieses leicht surreale Gefühl, das wahrscheinlich jeder kennt, der sich zum ersten Mal in einem solchen Format hört. Die Stimme klingt anders als im Kopf. Manche Sätze gelingen besser, als man sie in Erinnerung hat. Andere weniger.

Vor allem aber: Man hört, was man eigentlich denkt. Schreiben ist gefiltert. Sprechen ist näher dran am Original. Und es war eine schöne Erkenntnis zu merken, dass das, was da gesagt wurde, sich nach Jahren der Arbeit am Thema wirklich konsistent anfühlt. Keine schönen Floskeln. Keine Marketing-Sprache. Sondern das, was wirklich da ist.

Warum mich das mehr bewegt, als ich gedacht hätte

Ich biete hier auf tinyfootprint.de Informationen an – das ist mein Motto, und das ist es geblieben. Wer keine Lust hat, muss nicht lesen. Wer Lust hat, findet vielleicht etwas, das zum Nachdenken bringt.

Mit dem Podcast kommt nun eine weitere Form dazu, in der diese Informationen unterwegs sind. Nicht durch mich aktiv gesucht, sondern durch eine Einladung entstanden. Und das ist vielleicht das eigentlich Schöne daran: Man schreibt, man dokumentiert, man teilt – und irgendwann ergibt sich daraus ein Gespräch, das man so nicht geplant hat.

Für jemanden, der Kommunikation beruflich macht und im Privaten über Energiewende schreibt, ist das eine kleine, aber bedeutsame Wegmarke. Weil sie zeigt, dass beides zusammenkommt. Dass die Themen, die ich für richtig halte, anschlussfähig sind. Dass es Menschen wie Jürgen gibt, die zuhören wollen – nicht aus Höflichkeit, sondern aus echtem Interesse.

Danke, Jürgen

Was so ein Gespräch trägt, ist am Ende nicht die Technik im Studio, sondern der Mensch auf der anderen Seite des Mikrofons. Jürgen Schöntauf hat es geschafft, dass ich mich vom ersten Moment an wohl und ernst genommen gefühlt habe. Er hört wirklich zu, fragt klug nach und gibt einem den Raum, auch mal weiter auszuholen – ohne dass das Gespräch je den Faden verliert.

Mit »Gewinn mit Sinn« hat er ein Format geschaffen, das genau das in den Mittelpunkt stellt, woran ich glaube: dass Werte und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind. Dass ich Teil dieser Reihe sein durfte, freut mich sehr. Danke für die Einladung, das Vertrauen und ein Gespräch, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Wer reinhören möchte

Die Folge gibt es in jeder Podcast-App – einfach nach »Gewinn mit Sinn« suchen (das lohnt sich übrigens auch zum Abonnieren über diese eine Folge hinaus).

Und falls jemand zu einem der Themen aus dem Gespräch nachhaken möchte – Wärmepumpe im Altbau, PV auf dem Ost-West-Dach, Speicher, Elektroauto, dynamischer Stromtarif, oder wie wir das alles auch in der Agentur Schritt für Schritt umsetzen –, schreibt mich gern direkt an. Ich freue mich über jeden Austausch.

Inspiration und Quellen

Im Podcast habe ich einige Menschen und Institutionen genannt, die meinen Blick auf das Thema mitgeprägt haben, unter anderem:

  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) mit Katharina Reuter, Axel Kaiser und Alma Spribille
  • Climate Nuts von Christoph Schaaf
  • klima&so mit Patrick Schnitzler und Jean-Paul Laue
  • Phoenix Contact und der „All Electric Society Park“
  • Christian Stoecker, Buchtipp: Männer, die die Welt verbrennen
  • Maja Göpel – alle ihre Bücher
  • Philipp Schröder mit der New Energy Alliance: „Die 255-Milliarden-Euro-Chance
  • BAM! Bock auf Morgen Festival
  • Und natürlich mein Team bei Kaeding Anderson – das alles mitträgt und mitgestaltet.

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Ein Beitrag von Tobias Heinze
Ich versuche meinen persönlichen Fußabdruck immer kleiner werden zu lassen und mit meiner Familie möglichst „fossilfrei“ und umweltschonend im Bereich Wohnen, Mobilität, Urlaub und Ernährung zu sein.

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