
Nach sechs Jahren Tesla zum ersten Mal mit dem VW ID. Buzz nach Schweden – wie ist es gelaufen?
Da ein Teil meiner Familie in Schweden lebt, fahren wir regelmäßig dorthin (meistens drei Mal im Jahr). Für die Weihnachtsferien war es wieder so weit, und wir machten uns auf den Weg. Wir entschieden uns für die Route über Fehmarn / Puttgarden–Rødby und anschließend über die Øresundbrücke nach Schweden, Ziel: Nähe Borås (900 km).
Vom Verbrenner zu Tesla – und jetzt zum ID. Buzz
Vor inzwischen über sechs Jahren wechselte ich von meinen Volvo-Verbrenner-Dienstwagen zu Tesla. Seitdem fahren wir auf Reisen ausschließlich elektrisch. In diesen Jahren haben wir viele lange Strecken zurückgelegt – nach Schweden ebenso wie nach Spanien, Frankreich oder Portugal.
Die Reisen mit Tesla waren dabei immer absolut problemlos. Ladeinfrastruktur, Routenplanung, Wintertauglichkeit – alles funktionierte zuverlässig. Entsprechend hoch war die Messlatte, als nun der Wechsel zum ID. Buzz anstand.
Ich war gespannt – wie würde sich der Buzz nun schlagen?
Mit 100 % Akkuladung machten wir uns kurz vor Weihnachten auf den Weg. Und dann gleich die positive Überraschung: Genau wie zuvor mit dem Tesla brauchten wir auf der gesamten Strecke nur drei Ladestopps.
Das hatte ich ehrlich gesagt nicht unbedingt erwartet. Der ID. Buzz ist aerodynamisch eher Schrankwand als Windkanal-Wunder – entsprechend vorsichtig waren meine Erwartungen.
Die Ladegeschwindigkeiten waren bei allen drei Stopps durchweg gut. VW lädt bei niedrigem Akkustand zunächst stabil mit ordentlichen 180–188 kW und sinkt dann in den Bereich um etwa 150 kW. Da wir ohnehin bewusst längere Pausen eingelegt hatten – Hundespaziergang, Essen, Toilette, Kaffee – erreichten wir mehrfach einen Ladestand von über 90 %.
Für Langstreckenreisen mit Familie ist genau das entscheidend: Das Laden fügt sich in die Pausen ein, statt den Reiseablauf zu diktieren.
Laden in Skandinavien – entspannter als viele denken
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Das Ladenetz in Dänemark und Schweden ist inzwischen sehr gut ausgebaut. Die Schnelllader liegen oft direkt an den Hauptverkehrsachsen, sind zuverlässig und funktionieren meist unkomplizierter als man es aus Deutschland kennt.
Gerade auf dieser Route hatte ich nie das Gefühl, aktiv nach Lademöglichkeiten suchen zu müssen. Das Thema „Reichweitenangst“ spielt hier schlicht keine Rolle mehr – auch nicht im Winter.
Nur die aktive Ladeplanung unterwegs mit dem Bord-Navi im VW ist stressiger als es zuvor mit dem Tesla war … dazu später mehr.


In Schweden: der Härtetest im Schnee
Es war zwar die ganze Zeit über schön frostig und sonnig in Schweden, aber erst nach Weihnachten fing es dann richtig an zu schneien. Ich freute mich, den Buzz mal so richtig auf seine Schnee-Tauglichkeit testen zu können – und war positiv überrascht:
Trotz des Heckantriebs machte er auf der schneebedeckten Fahrbahn einen sehr guten Job. In Schweden werden viele Nebenstraßen nicht gestreut, sondern man fährt direkt auf der Schneedecke …
Nach ca. 20 Jahren mit Allrad-Fahrzeugen (Volvo + Tesla) war ich mit der Winter-Performance des ID. Buzz sehr happy. Ich konnte sogar die Kinder – so wie ich es immer gemacht habe – mit dem Schlitten über einen Waldweg ziehen. 😊




Rückfahrt bei Schneesturm
Der wirkliche Härtetest war dann die Rückfahrt am Samstag in der ersten Januarwoche: Bei permanenten Minusgraden, vereisten Straßen und Schneestürmen hatte uns die Rückfahrt 16 Stunden gekostet (inkl. Ladestopps und einer Stunde Fähre …).
Teilweise ging es nur mit 40–50 km/h über ungeräumte Autobahnen im Schneegestöber. Besonders ernüchternd war der Abschnitt von Fehmarn bis Hamburg: Abends war dort praktisch nichts geräumt. Links und rechts sahen wir etliche Unfälle – ein echtes Trauerspiel. In Deutschland sahen wir links und rechts etliche Unfälle.
Verbrauch unter Extrembedingungen
Trotz der permanenten Minusgrade und der schneebedeckten Fahrbahn blieben es auch auf der Rückfahrt bei nur drei Ladestopps. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei 26,9 kWh pro 100 Kilometer (auf der Hinfahrt waren es 24,7 kWh … kein so starker Frost und kein Schnee, dafür aber schnellere Fahrt mit mehr Verbrauch).
Angesichts von Fahrzeuggröße, Gewicht, Stirnfläche, Winterreifen, Schnee und Temperaturen deutlich unter null Grad halte ich das für einen absolut respektablen Wert. Im Sommer dürfte der Verbrauch auf solchen Strecken spürbar niedriger liegen.
Der Verbrauch wird im Sommer auf solchen Reisen sicherlich eine ganze Ecke niedriger liegen. Mein bisheriger Durchschnitt auf den ersten 5.000 km mit dem Buzz lag bei 22,6 kWh auf 100 km (Oktober bis Mitte Dezember, also hauptsächlich Winter).



Software-Schwächen – die größte Baustelle
Ein tolles Auto also – nur bei der Software und bei der Ladeplanung zeigt sich weiterhin eine klare Schwäche. Im Vergleich zu Tesla muss man sich deutlich mehr selbst kümmern: Ladeplanung, Preise, Anbieter, Routenanpassungen.
Vieles wirkt unlogisch oder nicht intuitiv gelöst. Auch die Bedienung während der Fahrt, etwa bei der Auswahl von Ladesäulen, ist aus meiner Sicht unnötig kompliziert. Das nimmt dem Reisen ein Stück Leichtigkeit – gerade auf langen Strecken.
Gleichzeitig: Es funktioniert. Es ist kein Drama. Aber es zeigt klar, wo VW noch deutlich nachlegen muss.
Fazit
Der ID. Buzz ist für mich kein Tesla-Ersatz, sondern etwas Eigenes: weniger digital, weniger perfekt – dafür extrem praktisch, wintertauglich und familientauglich Wenn VW bei der Software noch spürbar aufholt, ist das Gesamtpaket richtig stark.
Wir sind wirklich zufrieden – und der Buzz ist ein tolles Reise-Dienstwagen-Familien-Auto. 🙂
Einschub:
Die dünnste Schnellladesäule der Welt? ⚡️🚙😮
Auf der Hinfahrt unserer Schwedenreise machten wir unseren dritten und letzten Ladestopp in Halmstad bei Preem Recharge. Preem ist eine große schwedische Tankstellenkette, bei der ich früher mit dem Verbrenner oft und gerne getankt habe.
Die Ladeplanung haben wir unterwegs spontan gemacht – und landeten so bei diesem Ladepark. Unsere Fahrzeugbatterie war fast leer, der Stopp passte also perfekt.
😮 Als wir ankamen dann kurz der Schock:
Das sind ja nur langsame Wallboxen – und gar keine Hypercharger!
Unsere Batterie war so leer, dass wir laden mussten und es nicht mehr bis zur nächsten Ladestation geschafft hätten.


Nach einem genaueren Blick folgte die Erleichterung:
Es sind 300-kW-Schnelllader, nur eben mit extrem schlanken Gehäusen. Die Technik steckt offenbar woanders. Das hatte ich in sechs Jahren Elektro-Reisen durch Europa so noch nie gesehen – und fand es ziemlich spannend.
💶 Bezahlung & Kosten:
Wir wurden von der Ladeplanung unseres VW-Navis dorthin geführt. Wir nutzen VW We Charge, und Preem Recharge wurde als Partner angezeigt.
Da mir aber vor Ort oft trotzdem nicht klar ist, was eine Ladung am Ende kostet (Stichwort Roaming-Preischaos …), war ich positiv überrascht:
👉 Direkte Zahlung per Kreditkarte an der Säule.
Der Preis lag bei 3,80 Kronen/kWh, also rund 35 Cent. Sehr günstig – und vor allem transparent. Ich wusste genau, was ich bezahle, im Gegensatz zu vielen Ladekarten mit undurchsichtigen Tarifen. So muss das sein.
Beim Ladestopp davor in Dänemark war es übrigens genauso: Kreditkarte statt Ladekarten-Tarifdschungel.
Ich finde, das ist eine richtig gute Entwicklung und macht das Laden unterwegs deutlich einfacher und verständlicher.
Der neue Ladepark in Halmstad war auch sonst top: gute Möglichkeiten zum Essen und ein großer ICA-Supermarkt, in dem wir – kurz vor dem Ziel – gleich unsere Grundausstattung einkaufen konnten.Als wir zurückkamen, war der Ladestand mal wieder höher als gedacht – und wir konnten ganz entspannt bis zu unserem Ziel weiterfahren. 🚗⚡️


Ich versuche meinen persönlichen Fußabdruck immer kleiner werden zu lassen und mit meiner Familie möglichst „fossilfrei“ und umweltschonend im Bereich Wohnen, Mobilität, Urlaub und Ernährung zu sein.
Über mich



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