Kommentar: Warum noch als Neuwagen einen Verbrenner kaufen?

Kommentar und Gedanken im September 2019 zum Thema:
“Verbrenner oder Elektro – Neuwagen Kaufentscheidung”

Die wirkliche Umweltbelastung im Vergleich

Natürlich ist uns bewusst, dass jeder gefahrene Kilometer eigentlich einer zu viel ist, ob mit Verbrenner oder Elektroauto. Auch der Abbau von Lithium, Kobalt etc. und die Herstellung der Batterien sind sicher bisher noch nicht perfekt gelöst. Aber auch hier werden bedeutende Fortschritte gemacht.

Es ist ein guter Anfang und im Gegensatz zur jahrzehntelangen weiteren Verwendung von fossilen Brennstoffen eine Möglichkeit mobil zu sein, ohne einen endlichen(!) Rohstoff zu verbrauchen. Der zudem noch CO2 und weitere Stoffe freisetzt, die man langfristig lieber nicht mehr in die Luft lassen möchte (fragen wir besser nicht bei bestimmen PKW-Herstellern nach, welche Abschaltefunktionen für die Abgasreinigung es vielleicht noch gibt, es tauchen ja immer wieder neue auf …).

Auch lässt mich aufhorchen, dass es sich inzwischen finanziell rechnet, riesige Flächen Wald zu roden (wie aktuell beispielsweise in Kanada), um anschließend dort mit sehr viel Aufwand, Energieeinsatz und beträchtlichen Umweltschäden Sand aus dem Boden zu waschen, damit daraus Öl extrahiert werden kann. Dazu kommen die sich leider regelmäßig wiederholenden Katastrophen, die bei der Förderung geschehen, und die immense Mengen Rohöl in die Natur freisetzen.

Von solchen Beispielen gibt es leider zu viele und dies geschieht alles, um den weltweit immens großen Hunger nach Öl zu stillen. Jeden Tag werden auf unserem Planeten 90 Millionen Fass Erdöl verbraucht (was bedeutet diese werden letztendlich verbrannt und sind somit für immer verloren). Das ist eine unvorstellbar große Menge und entspricht dem Inhalt von 45 Supertankern, jeden Tag.

Unvorstellbar – weltweiter Ölverbrauch: 45 Supertanker, pro Tag.

Wenn ein Teil der wirtschaftlichen Anstrengung, die für die Erdölförderung und allem was „drum und dran“ hängt, für den Ausbau von erneuerbaren Energien umgelenkt werden könnte, wäre dies meiner Meinung nach zu begrüßen.

Für die Herstellung von Benzin oder Diesel wird alleine durch den sogenannten „Cracking-Prozess“ in der Raffinerie (also dem Verarbeiten des Rohöls für einen Liter Kraftstoff für die Tankstelle) wird so viel Energie verbraucht, dass ein durchschnittliches Elektroauto fast die gleiche Strecke wie ein Benziner damit fahren kann!

Benzinherstellung:
11 Kilowattstunden Strom für 7 Liter Sprit (ca. 100 km)

Für den Durchschnittsverbrauch von sieben Litern auf 100 km kämen alleine an dieser Stelle mehr als 11 Kilowattstunden zusammen. Dies würde ausreichen, um mit einem Elektrofahrzeug 50-80 Kilometer weit zu fahren!

Nimmt man dann noch den weiteren Stromverbrauch für den gesamten Abbau-, Herstellungs- und Raffinerieprozess dazu, kommt das Elektroauto in unserem Beispiel noch weiter.

Das Betreiben der Raffinerie, der Transport zur Tankstelle, das Betreiben der Pipelines, des Tankstellennetzes inklusive der Zapfpumpen, Licht, Kassensysteme und so weiter – da wird so viel Strom benötigt wird, dass man damit nochmals einige weitere Kilometer mit dem E-Auto fahren kann.

Zur Umweltbelastung hinzu kommt noch das Verbrennen der “Methan-Begleitgase”, welches bei der Erdölproduktion erfolgt, wo wiederum 140 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verbrannt werden und dabei ca. 400 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt werden. Allein dies sind ca. 2% der weltweiten CO2 Emission.

Für mich bleibt hier das Fazit, dass die bisherige Verbrennertechnologie nicht zukunftsfähig ist und dem Elektroantrieb klar unterlegen ist (vor allem natürlich in der Umweltbilanz).

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Robin.TV – ein toller und empfehlenswerter YouTube Kanal. In dieser Folge wird ab Minute 25:00 sehr detailliert auf die Herstellung von Benzin und Diesel eingegangen.

Ist Wasserstoff die Zukunft?

Für Langstrecken, Busse sowie im Transportbereich könnte zukünftig auch Wasserstoff als Energieträger dazugehören. Wobei ich persönlich nicht der Meinung bin, dass Wasserstoff zukünftig generell für jeden PKW eingesetzt werden sollte. Die durchschnittlich täglich gefahrenen Kilometer von den allermeisten Deutschen sind so gering, dass die Fahrten mit Batterie-Elektroautos problemlos möglich sind.

„Grün“ hergestellter Wasserstoff ist für diese Verwendung eigentlich zu schade, denn man kommt mit einem Batterie-elektrisch betriebenen Fahrzeug mit der selben Menge Strom fast drei Mal so weit, wie mit einem Wasserstoff-Fahrzeug mit Brennstoffzelle. Warum sollte man den kostbaren Strom dann verschwenden?
Regenerativ hergestellten grünen Wasserstoff gibt es bisher kaum. Und falls dieser eines Tages in großen Mengen verfügbar sein sollte, dann wird dieser auch in der Industrie gebraucht. Dort könnte man zum Beispiel mithilfe von Wasserstoff Stahl CO2 neutral herstellen, ohne Koks in den Hochöfen verwenden zu müssen.
Aber dazu müsste erst mal genug Wasserstoff vorhanden sein (was nicht der Fall wäre, wenn dieser von den Autos bereits verbraucht werden würde).

Batterie-Recycling ist möglich

Aber die Batterien sind doch irgendwann „verbraucht“? Es wird in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, dass die Fahrzeuge inklusive der Batterien mit 100% erneuerbaren Energien hergestellt werden. Und am Ende der Batterielebensdauer wird diese dann wiederum zu nahezu 100% recycelt und zu neuen „Leben“ erweckt werden können. Dann sind wir in dem Bereich in der Kreislaufwirtschaft angekommen. Mit fossilen Energieträgern geht dies nicht!

Allerdings kündigen sich für 2020 bereits neue Batterietechniken an, die eine Laufleistung von weit über 1 Millionen Kilometern haben werden. Da wird es ganz schöne lange dauern bis so eine Batterie in ihr „Second Life“ geht, also als Stromspeicher in Häusern oder Kraftwerken bevor es dann ins Recycling geht.

Kombiniert mit den zahlreichen neuen Geschäftsmodellen und Start-Ups im Bereich Car-Sharing, Mitfahr-Communities, Robotertaxis, besserem ÖPNV usw. wird dies alles in Zukunft sicher für eine große Verbesserung und Reduzierung der Fahrzeuge im Bereich Individualverkehr sorgen. Wobei dies in größeren Ballungsgebieten und Städten sicher einfacher vonstatten gehen wird als bei uns hier im eher ländlichen Raum.

Es ist jedenfalls klasse, dass es nun die neuen Alternativen gibt und dass diese sich von nun an nach und nach durchsetzen können. Ich bin fest überzeugt, dass der Wandel der Mobilität kommen wird und dass es eine sehr spannende Zeit mit großen Veränderungen in dem Bereich sein wird.
Natürlich müssen wir alle auch ein wenig Geduld haben und es wird ein jahrzehntelanger Prozess sein. Hauptsache wir stellen schnell die Weichen und fangen mit der Umstellung an!

Wenn jemand heute bei dem Kauf eines Neuwagens vor der Entscheidung steht, dann bitte das Elektroauto in Betracht ziehen! Wenn zudem noch günstige Bedingungen im Spiel sind wie zum Beispiel ein vorhandenes Carport mit Stromanschluss, dann um so mehr!

Aber bringt das weltweit gesehen überhaupt was?

Warum sollten wir in Deutschland überhaupt diese ganzen Anstrengungen und Umstellungen im Bereich Mobilität, Energieversorgung, Landwirtschaft usw. unternehmen? Schließlich sind wir ja nur für 2% des weltweiten CO2 Ausstoßes verantwortlich! Überall werden Kohlekraftwerke gebaut und überhaupt, das ist ungerecht!

Nun, hier kann man geteilter Meinung sein, jedoch bin ich überzeugt, dass wir als eine der führende Industrienationen die Verantwortung haben, alles erdenkliche auszuprobieren und zu tun und somit mit einem „guten Beispiel“ voranzugehen. Wenn die jetzigen Entwicklungsländer sich weiterentwickeln und weiter zu Industrienationen aufsteigen, sollten wir in der Lage sein, ihnen das Wissen um saubere Technologien und Ideen weiterzugeben so dass auch dort von den neuen Entwicklungen und der sauberen Energie profitiert werden kann.

Probefahren wirkt!

Ich stelle immer wieder fest, dass die vielfach vorhandene Skepsis gegenüber der Elektromobilität verschwindet, sobald man einmal selbst gefahren ist und eine Probefahrt gemacht hat. Ich kann daher nur empfehlen – überzeugt euch selbst und macht eine Probefahrt! Wenn sich kein Autohändler findet, biete ich gerne an eine Probefahrt mit einem unserer Fahrzeuge zu unternehmen. Bisher stehen in der Firmenflotte zur Verfügung: Renault Zoe, E-Golf und Tesla Model 3. Sprecht mich gerne an, als Freunde der Elektromobilität unterstützen wir die Verbreitung gerne und helfen dort mit Informationen und Probefahrten aus, wo manch ein Berater im Autohaus noch nicht soweit ist und evtl. nur ungenügende Informationen oder sogar Abneigungen gegen die neue Art der Mobilität bestehen (siehe zum Beispiel meine Erlebnisse beim Kauf des Renault Zoe). 

Mehr als drei Jahre und über 30.000 km mit dem Renault Zoe und fast 20.000 km innerhalb eines Jahres mit dem Tesla Model 3 inklusive Fahrten in ganz Deutschland sowie bis nach Schweden gehören zu unseren Erlebnisberichten, die ich gerne während einer gemeinsamen Fahrt weiter gebe.


Links: zwei sehr gute Argumente-Sammlungen

  1. Website “Fakten zur Elektromobilität”
  2. Matthias Horx Blogpost “10 E-Auto-Irrtümer-Revisionen”


Horber Appell

Ergebnis der 1. E-Mobilitäts-Influencer-Konferenz: Spiegelt zu 100% meine Meinung wieder (ich bin Unterzeichner des Appells)

Horber Appell der 1. E-Mobilitäts-Influencer-Konferenz

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 1. E-Mobilitäts-Influencer-Konferenz vom 7. September 2019 adressieren diesen Appell an alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.

In Anlehnung an die Stellungnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu den Protesten für mehr Klimaschutz durch die Scientists for Future fordern wir die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, aber auch jede und jeden Einzelnen persönlich auf, dem Klimawandel entgegenzutreten durch wirkungsvolle Veränderung der Stellschrauben für Ernährungs-, Mobilitäts- und Konsumverhalten.

Insbesondere im Hinblick auf den Themenkomplex der Mobilität muss die absolute Priorität auf die Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen liegen, lokal, aber auch global.

Politik und Wirtschaft müssen durch eine konsequente Förderung regenerativer Energien und eine parallele Elektrifizierung sämtlicher Mobilitätsbereiche diesem Anspruch Rechnung tragen.

Es ist nicht sinnvoll, weiterhin daran zu arbeiten, Verbrennungstechnologie effizienter zu machen. Diese müssen in allen Bereichen unverzüglich abgeschafft werden.

Bei aller Technologieoffenheit, die selbstverständlich in der Forschung zulässig und notwendig ist, muss nach übereinstimmender Meinung der 1. E-Mobilitäts-Influencer-Konferenz dem Ausbau der Elektromobilität in Kopplung mit dem Ausbau von Erneuerbaren Energien sowie lokalen wie auch zentralen Stromspeichermöglichkeiten absolute Priorität eingeräumt werden. Elektrische Antriebe bieten einen enormen Effizienzgewinn und ermöglichen zudem Mobilität ohne Energieimporte.
Gefordert wird nicht nur die konsequente Durchsetzung der Elektromobilität auf der Straße. Für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept müssen der Erhalt, der Ausbau und die verstärkte Nutzung des elektrifizierten Schienen- und des ebenfalls elektrifizierten öffentlichen Personennahverkehrs auf 100 Prozent forciert werden. Dies muss Hand in Hand gehen mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Fuß- und Radverkehr. Neben der Güter und Personenbeförderung auf Schiene und Straße muss auch die auf Wasserwegen und in der Luft konsequent elektrifiziert werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 1. E-Mobilitäts-Influencer-Konferenz verpflichten sich, die Positionen des Horber Appells auch über ihre Kanäle öffentlich zu unterstützen.

Horb am Neckar, 7. September 2019

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