12. August 2025

Schweden 2025: Windkraft Ausbau, PV-Boom, Wärmepumpen-Champion und E-Auto Wachstum

Schweden 🇸🇪 ist in sehr vielen Bereichen bei Nachhaltigkeit und Energie meilenweit besser als Deutschland 🇩🇪 aufgestellt. Während unseres aktuellen Urlaubs im Sommer 2025 habe ich auf LinkedIn einige Beiträge über die Unterschiede geschrieben, welche ich hier einmal nun zusammenfasse.

Überblick – in welchen Bereichen ist Schweden besser aufgestellt?

✔️ Wärmepumpen
✔️ Fernwärme
✔️ Gas spielt bei Wärme heute keine Rolle mehr
✔️ Waste-to-Energy: 99% des Mülls werden verwertet für Energie und Wärme 
✔️ Smart Meter fast 100% (Deutschland nicht mal 3%)
✔️ dynamische Stromtarife
✔️ Aufteilung in vier Strompreiszonen (seit 2011)
✔️ Elektromobilität (Q1 2025: 41,6%, Deutschland 16,6%)
✔️ Strommix ist bereits fossilfrei (inkl. Kernkraft)
Das alles ermöglicht u.a. durch eine mutige Einführung einer CO2 Steuer bereits Anfang der 90er Jahre (heute weltweit die höchste CO2 Steuer).

Dazu aktuell ein Photovoltaik Boom und ein zügiger Ausbau der Windkraft. In anderen Bereichen wie Digitalisierung, Mobilfunknetzabdeckung, Glasfaseranschlüssen oder bargeldlosem Bezahlen sieht es ähnlich aus.
Länder und ihre Strukturen sind natürlich immer schwierig direkt zu vergleichen. Aber man könnte ja trotzdem von Erfahrungen in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel Wärmepumpen, von anderen Ländern lernen.

Ich würde sagen – Schweden hat seine Hausaufgaben sehr gut gemacht. ✅ Ziel: Klimaneutralität 2030. Und ist zudem auch noch nicht an all den nachhaltigen Maßnahmen pleite gegangen.


Urlaubsbericht Teil 1:

Windkraft mitten in der Natur? 🤔

Ich bin gerade im Urlaub in Schweden 🇸🇪. Gestern waren wir bei einer Wanderung auf einem wunderschönen Naturpfad unterwegs. Beim Aufstieg auf einen kleinen Berg hörten wir plötzlich ein seltsames Geräusch – und nach einer Kurve stand da auf einmal: eine riesige Windkraftanlage. 🌀

Da meine Eltern hier leben (meine Mutter ist Schwedin), bin ich regelmäßig in dieser Gegend – so wie jetzt im Sommerurlaub. Ganz vergessen hatte ich, dass hier in unserer Nachbarschaft vor Kurzem vier neue Windräder errichtet wurden.


WINDRAD VS. AUTOBAHN – UNSER DOPPELTER STANDARD?

🌲🌳 Man kann sich fragen, ob es in Ordnung ist, wenn mitten in die Natur vier solche riesigen Anlagen gebaut werden? Es ist doch störend und nicht in Ordnung, wenn so etwas quasi mitten in den Wald gesetzt wird, oder?

Wie so oft: Es ist nicht schwarz oder weiß. Es gibt Vor- und Nachteile und man muss abwägen …
Während der Wanderung näherten wir uns später einer Autobahn 🛣️, die hier vor einigen Jahren neu gebaut wurde. Ihr Lärm begleitete uns fast die ganze Zeit. Die Windräder hingegen hörte man nur in direkter Nähe. Auch eine ⚡️ Hochspannungsleitung kreuzten wir (siehe Foto) – inklusive einer riesigen Schneise durch den Wald.

Die Autobahn und die Strommasten kritisieren wir nicht, sie sind für uns normal. Windkraft darf aber nicht sein?


SCHWEDEN IST VORREITER BEIM KLIMASCHUTZ

Schwedens Strommix ist bereits heute sehr CO₂-arm, sie nutzen hier viel Wasserkraft und betreiben weiterhin ihre Kernkraftwerke. Smart Meter, dynamische Stromtarife, Elektromobilität und Wärmepumpen gehören für die Menschen zum Alltag. Auch die Erneuerbaren werden weiter ausgebaut, das ist meines Erachtens unabdingbar.
Denn zum Beispiel auch die Kernkraft wird man nicht „für immer“ nutzen können, auch Uran ist nur endlich auf der Erde vorhanden. Im Gegensatz zur Kraft der Sonne (zu der ja auch die Windkraft gehört). ☀️🌬️

Mein Fazit nach der Wanderung: Ja, die vier Windräder greifen in die Natur ein – aber dieser Eingriff ist aus meiner Sicht vertretbar und notwendig. Ich habe hinterher nachgeschaut: Die vier 180 Meter hohen Anlagen produzieren pro Jahr 59 GWh Strom, genug für über 11.000 Haushalte.

Ich finde es sinnvoll und gut, dass Schweden bereits seit Anfang der Neunzigerjahre eine CO₂-Steuer hat (sogar die höchste weltweit…) und das Land somit schon sehr lange auf dem Weg eines vernünftigen Klimaschutzes ist.

Und diese vier neuen Windräder gehören für mich mit dazu. Die Wanderung war übrigens – trotz der Windkraftanlagen – wunderschön. 💚


Urlaubsbericht Teil 2:

Photovoltaik in Schweden 🇸🇪 neuerdings „an jeder Milchkanne“? 🐮🥛

Auch im hohen Norden Europas boomt die Photovoltaik neuerdings …

Ich bin derzeit im Urlaub in Schweden (Bericht „Teil 2“). Da meine Eltern hier leben (meine Mutter ist Schwedin), bin ich regelmäßig in dieser Gegend – so wie jetzt wieder im Sommerurlaub. In den letzten Tagen waren wir viel in der Umgebung unterwegs und mir fiel auf, dass plötzlich viel mehr Häuser mit Photovoltaik ausgestattet sind als mir in Erinnerung war.

Rund um den örtlichen See hat nun gefühlt jedes dritte Haus PV auf dem Dach. Egal ob Wohnhaus, Ferienhaus oder Bauernhof (siehe Beispielfotos …).

Photovoltaik ist in Schweden zwar immer noch eher unbedeutend im Strommix (2024 nur ca. 1% Anteil), aber die Entwicklung hat sich seit 2015 sehr stark beschleunigt. War der Anteil zunächst im Jahr 2015 noch bei 0,01%, ist im Jahr 2024 die Leistung immerhin schon bei 5 GW (1%) angekommen.

Trotz der Lage in nördlichen Breitengraden ist die Effizienz der Module immer noch so gut, dass es sich auch hier rechnet, in PV zu investieren. Ich weiß nicht wie es ganz oben im Norden aussieht – meine Familie lebt relativ weit südlich auf der Höhe von Göteborg.

Zusammen mit dem in Schweden gelungenen flächendeckenden Ausbau an Smart Metern und dynamischen Stromtarifen, ist die Photovoltaik mitsamt Batteriesspeichern auch in diesem Land ein zunehmender wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Neben Wasser- und Kernkraft wird auch der in den letzten Jahren verstärkte Ausbau von Windenergie dazu genutzt, den Strommix CO2-arm zu machen. Schweden zählt in Europa zu den Ländern mit dem geringsten CO2 Ausstoß bei der Stromproduktion (und ist das Land mit der höchsten CO2 Steuer).

Ich fand es jedenfalls beeindruckend zu sehen, wie besonders in den letzten Jahren überall neue Anlagen auf den Dächern zu sehen sind.


Urlaubsbericht Teil 3:

Schweden 🇸🇪 zeigt, wie’s geht: Wärmepumpen statt Heizhammer 🔥

Begeisterung statt „Heizhammer“: Öl und Gas spielen heute beim Heizen dort keine Rolle mehr.

Ich bin derzeit im Urlaub in Schweden (Bericht „Teil 3“). Meine Eltern leben hier in einem über 100 Jahre alten Holzhaus (meine Mutter ist Schwedin). Wie wird das Haus beheizt und wie wird das Warmwasser produziert?
👉 Natürlich mit einer Wärmepumpe – so wie fast überall in Schweden.

Schon vor vielen Jahren wurde die Holz-Zentralheizung aus den 1970ern in dem Haus durch eine Wärmepumpe ersetzt. Das Gebäude hat nur die ursprüngliche Dämmung (Holzbauweise aus dem 19. Jahrhundert), keine Fußbodenheizung und keine besonderen Fenster (siehe Fotos).
Trotzdem funktioniert der Betrieb mit einer Wärmepumpe problemlos – für Heizen und Warmwasserbereitung.

Sogar die alte Holzkirche nebenan ist längst mit einer Wärmepumpe ausgestattet (siehe Foto). Fun Fact: Dort habe ich damals geheiratet …👰‍♀️🤵‍♂️

📸 Kleine „Foto-Safari“: In den letzten Tagen habe ich bei Ausflügen in die Umgebung einige Aufnahmen gemacht – fast jedes Häuschen besitzt eine Wärmepumpe. Ob Luft-Wasser (der Standard), Luft-Luft (Klima-Splitgerät), oder Sole-Wasser (Erdwärme, dann jedoch nicht sichtbar …).

Suchspiel: Wer findet alle Außengeräte der Luft-Wasser oder Luft-Luft Anlagen in meinen Fotos? 😃


IN SCHWEDEN IST FOSSILES HEIZEN SCHON LANGE „OUT“

Das Land hat sich im Bereich Heizenergie praktisch unabhängig von fossilen Rohstoffen gemacht: Öl- und Gasheizungen haben in Schweden heute insgesamt nur noch einen Anteil von etwa 3% an der Heizenergie in Ein- und Mehrfamilienhäusern.
In Ballungsräumen und großen Städten dominiert Fernwärme (Biomasse, Industrieabwärme, große Wärmepumpen etc.), in ländlichen Gebieten und kleinen Städten ist die Wärmepumpe inzwischen absolut Standard.

Unter anderem durch die weltweit die höchste CO₂-Steuer (bereits eingeführt in den 90er Jahren), hat Schweden es geschafft die fossilen Energien beim Heizen quasi vollständig zurückzudrängen – das Land ist in dem Bereich heute unabhängig von fossilen Rohstoffimporten, was für ein Erfolg!

Der Strom für die Wärmepumpen stammt zu 98% aus erneuerbaren oder kohlenstoffarmen Quellen (Wasserkraft, Kernkraft, Windergie). Fast 100 % der Haushalte verfügen über Smart Meter – so lassen sich dynamische Tarife flexibel nutzen.

AUCH IN DEUTSCHLAND MACHBAR

Ich selbst wohne in Deutschland in einem 100 Jahre alten Haus – und betreibe dort seit fast 13 Jahren eine Wärmepumpe. Bei der damaligen Sanierung entschieden wir uns (glücklicherweise!) für dieses System und haben es nicht bereut – es läuft tadellos und wir haben inzwischen weit über 300.000 Kilowattstunden Erdgas eingespart (verglichen mit einer Gastherme).


Urlaubsbericht Teil 4:

Elektromobilität in 🇸🇪 Schweden: Es läuft! 🚗⚡️

Unser diesjähriger Urlaub ist leider vorbei – gestern sind wir wieder zu Hause in Deutschland angekommen. Zeit für eine kleine Bilanz bzgl. der aktuellen Reise mit dem Elektroauto und eine Einschätzung zum Stand der E-Mobilität in Schweden.

Da ein Teil meiner Familie in Schweden lebt, fahre ich regelmäßig dorthin (ca. 1.000 km Anreise …). Seit dem Umstieg des Firmenwagens von Diesel auf Elektro im Jahr 2019 machen wir die Reise ausschließlich elektrisch – bisher immer völlig problemlos! 😃👍 In der Regel fahren wir zwei bis drei Mal pro Jahr dorthin, also schon mehr als 20 Mal mit dem E-Auto.
Dazu kommen elektrische Reisen nach Portugal 🇵🇹, Spanien 🇪🇸, Frankreich 🇫🇷 etc. Ich freue mich jedes Mal, wenn es los geht … den Verbrenner 💨 habe ich noch nie vermisst!

Das elektrische Fahren ist für uns inzwischen „reine Routine“. In diesem Jahr haben wir einige zusätzliche Fahrten innerhalb Schwedens gemacht.
Wir konnten immer problemlos während unserer Aufenthalts laden – egal ob ein Parkplatz an einem kleinen Fischerdorf am Meer, beim Einkaufen oder während unseres Besuchs des Freizeitparks Liseberg in Göteborg.


WIE ENTWICKELT SICH DIE E-MOBILITÄT IN SCHWEDEN?

Die Schweden scheinen sich von Anfang an mit Elektro wohlgefühlt zu haben – während in Deutschland im Jahr 2019 Elektroautos noch bei unter 3% Marktanteil bei den Neuzulassungen waren, waren es in Schweden bereits über 18%.
Heute, im ersten Quartal 2025, hat Schweden einen beeindruckenden Anteil von 41,6% erreicht und Deutschland ist bei 16,6%.

Warum kaufen wir in Deutschland 🇩🇪 eigentlich noch so viele neue Verbrenner?

Die Skandinavier sind scheinbar generell offener für die neue Technologie und unterstützen die Antriebswende mit Projekten wie zum Beispiel Europas größten Parkhaus für E-Autos mit 1.000 Ladepunkten (Stockholm) oder dem Pilotprojekt mit elektrifizierten Straßen für den Schwerlastverkehr.
Spannend sind auch die Projekte für Vehicle-to-Grid und Vehicle-to-Home, mit mehreren Pilotprojekten in Echtumgebungen.

SENSATIONELLER VERBRAUCH, NIEDRIGE KOSTEN

Wie immer bin ich mit den Verbrauchsdaten der aktuellen Reise sehr zufrieden: 3.609 km mit 16,39 kWh/100 km – das kann sich sehen lassen! Insgesamt haben wir 591,4 kWh verbraucht. Wenn ich dies mit einem Durchschnittspreis von 0,40€ rechne, komme ich auf 236,56 € Ladekosten.
Die Preise am Tesla Supercharger variieren in 🇩🇪🇩🇰🇸🇪 ca. zwischen 0,30 und 0,50 € pro kWh.

Nach sechs Jahren mit Tesla war das nun die letzte große Reise mit der Marke … im kommenden Winter geht’s dann erstmals elektrisch mit dem ID.Buzz nach Schweden. Ich bin gespannt!


Nach der Rückkehr zu Hause: Akku auftanken mit der Sonne ☀️⚡️🔋

Mit leerer E-Auto Batterie 🚗🪫 gestern zurück aus dem Urlaub – heute ist sie wieder voll mit Sonnenstrom ☀️⚡️🔋.

Ich bin immer wieder begeistert davon wie toll es funktioniert: Nach unserer Rückkehr aus Schweden haben wir gestern das E-Auto zu Hause an unsere intelligente Wallbox gesteckt und ganz nebenbei hat das Energiemanagement gestern und heute dafür gesorgt, dass nur der überschüssige Sonnenstrom ins Auto fließt.

Während Waschmaschine, Backofen, Wärmepumpe (Warmwasser) etc. laufen, schickt das System automatisch immer nur so viel Strom zum Auto wie gerade „übrig“ ist. Es muss also kein Netzstrom verwendet werden. Dabei wird für die Nacht so viel Strom im Heimspeicher reserviert, damit wir bis zum nächsten Morgen keinen Netzstrom benötigen.
Sobald die Sonne am Morgen wieder genug Energie liefert, wird die Ladung des E-Autos automatisch fortgesetzt.


Da gestern und heute relativ viel Sonnenschein vorhanden war, ist jetzt am zweiten Tag um 12:00 Uhr Mittag das Auto bereits wieder voll (90% Ladegrenze) – es wurden immerhin fast 64 kWh geladen. Genug Energie, um damit ungefähr 400 Kilometer weit zu fahren! 🏁

Für viele Eigenheimbesitzer(innen) ein „no brainer“: Photovoltaik, Speicher, Energiemanagement, E-Auto, intelligente Wallbox und ggf. eine Wärmepumpe.

Ich freue mich jedes Mal aufs Neue über meine eigene Sonnentankstelle zu Hause. 😃


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Ein Beitrag von Tobias Heinze
Ich versuche meinen persönlichen Fußabdruck immer kleiner werden zu lassen und mit meiner Familie möglichst „fossilfrei“ und umweltschonend im Bereich Wohnen, Mobilität, Urlaub und Ernährung zu sein.

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